Hybride Bedrohungen: Wenn Cyberangriffe und physische Attacken zusammenkommen
kritis-info.de | 📅 01.08.2025 | 🔗 Risiken & Bedrohungen
Kombinierte Angriffe aus der digitalen und der physischen Welt stellen eine wachsende Gefahr für kritische Infrastrukturen dar. In diesem Beitrag wird erläutert, wie hybride Bedrohungen funktionieren, welche Risiken entstehen und wie Betreiber ihre Schutzkonzepte entsprechend ausrichten können.
Wenn Cyberangriffe und physische Attacken zusammenkommen
Kritische Infrastrukturen sind das Rückgrat einer modernen Gesellschaft. Sie liefern Strom, Wasser, Verkehr, Kommunikation und medizinische Versorgung – kurz: alles, was unser tägliches Leben ermöglicht. Diese Systeme sind inzwischen stark digitalisiert und vernetzt. Das macht sie effizienter, aber auch verwundbarer.
Immer häufiger warnen Sicherheitsexperten vor sogenannten hybriden Bedrohungen. Damit sind Angriffe gemeint, die digitale Attacken mit physischen Angriffen kombinieren. Diese neue Angriffsform stellt die Betreiber vor besondere Herausforderungen, da sie die gewohnten Sicherheitskonzepte sprengt.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie hybride Angriffe ablaufen, warum sie so gefährlich sind und was Betreiber tun können, um ihre Resilienz zu verbessern.
Was bedeutet „hybride Bedrohung“ konkret?
Unter einer hybriden Bedrohung versteht man eine Angriffsstrategie, bei der verschiedene Mittel kombiniert werden, um ein Ziel maximal zu schädigen. Bei kritischen Infrastrukturen kann das beispielsweise bedeuten, dass Cyberkriminelle zunächst über eine IT-Schwachstelle in die Steuerungssysteme eindringen, während gleichzeitig Sabotageakte vor Ort verübt werden.
Solche kombinierten Angriffe können besonders effektiv sein, da digitale und physische Schutzmaßnahmen häufig unabhängig voneinander betrachtet werden. Angreifer nutzen genau diese Lücken zwischen den Verantwortungsbereichen aus.
Beispiele für hybride Angriffe
In den vergangenen Jahren gab es international mehrere Vorfälle, die das Bedrohungspotenzial solcher Angriffe deutlich gemacht haben. Ein bekanntes Beispiel sind Angriffe auf Umspannwerke, bei denen zunächst die digitalen Steuerungssysteme manipuliert wurden, um die Alarmfunktionen zu deaktivieren. Kurz darauf erfolgte ein physischer Angriff auf die Anlagen selbst.
Auch denkbar ist: Angreifer verschaffen sich mithilfe einer Phishing-Attacke Insider-Zugangsdaten und verüben dann mit Unterstützung eines eingeschleusten Mitarbeiters Sabotage direkt vor Ort. Solche Szenarien wirken wie aus einem Thriller, sind aber längst Realität und werden von Sicherheitsbehörden sehr ernst genommen.
Warum sind hybride Bedrohungen so gefährlich?
Der große Vorteil für Angreifer liegt darin, dass Betreiber kritischer Infrastrukturen bislang häufig in getrennten Silos arbeiten. Die IT-Sicherheit ist oft organisatorisch von der physischen Objektsicherheit getrennt, mit unterschiedlichen Teams, Budgets und Prozessen.
Hybride Bedrohungen hebeln genau diese Trennung aus. Sie verbinden digitale Einfallstore mit Angriffen vor Ort, sodass Schutzkonzepte allein nicht mehr greifen.
Zudem sind hybride Angriffe schwerer zu erkennen. Während IT-Sicherheitsabteilungen nach bekannten Mustern scannen, fällt ein gezielter physischer Angriff womöglich nicht sofort auf – und umgekehrt. Diese Verzahnung stellt eine völlig neue Qualität der Bedrohung dar.
Wie können Betreiber sich schützen?
Hybride Bedrohungen erfordern ein ganzheitliches Sicherheitskonzept. Das bedeutet: digitale und physische Schutzmaßnahmen müssen enger zusammenspielen. Betreiber sollten deshalb sicherstellen, dass IT-Security und Objektschutz eng miteinander kommunizieren, gemeinsame Szenarien durchspielen und abgestimmte Notfallpläne erarbeiten.
Wichtige Bausteine sind:
- Risikobewertung: Betrachtung von physischen und digitalen Risiken in einem gemeinsamen Prozess
- Übungen: Regelmäßige Planspiele, die sowohl Cyberangriffe als auch physische Angriffe kombinieren
- Monitoring: Verknüpfung von Alarm- und Überwachungssystemen, damit Angriffe schneller erkannt werden
- Schulung: Mitarbeitende müssen verstehen, dass moderne Angriffe nicht nur online, sondern auch analog stattfinden können
- Notfallpläne: Klare Prozesse für den Fall, dass mehrere Bedrohungsebenen gleichzeitig zuschlagen
Zusammenarbeit stärken
Hybride Bedrohungen lassen sich nicht im Alleingang bewältigen. Betreiber sollten deshalb aktiv mit Behörden, Sicherheitsdiensten und branchenspezifischen Organisationen kooperieren. Nur wenn Informationen über verdächtige Aktivitäten schnell ausgetauscht werden, können Angriffe rechtzeitig abgewehrt werden.
Auch der Austausch mit anderen KRITIS-Betreibern kann dabei helfen, voneinander zu lernen und gemeinsame Schutzstandards zu entwickeln.
Fazit: Ganzheitlich denken, ganzheitlich handeln
Da hybride Angriffe für Täter einen hohen Nutzen versprechen und schwer abzuwehren sind, werden sie in Zukunft weiter zunehmen. Betreiber kritischer Infrastrukturen sollten deshalb ihre Sicherheitsstrategie konsequent weiterentwickeln und digitale sowie physische Aspekte zusammen denken.
Nur so lässt sich die Resilienz gegenüber dieser modernen Bedrohung nachhaltig stärken – und die Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft auch im Krisenfall absichern.
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