Insiderbedrohungen in KRITIS-Anlagen: Die unterschätzte Gefahr von innen

kritis-info.de | 📅 26.07.2025 | 🔗 Risiken & Bedrohungen

Kritische Infrastrukturen sind nicht nur durch Hacker oder Saboteure von außen gefährdet. Auch Mitarbeitende, Dienstleister oder andere Insider können absichtlich oder fahrlässig Schäden verursachen. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Insiderbedrohungen so gefährlich sind, welche Risiken bestehen und wie Betreiber ihnen effektiv vorbeugen können.

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Insiderbedrohungen in KRITIS-Anlagen: Die unterschätzte Gefahr von innen

Kritische Infrastrukturen gelten als besonders schützenswert, da sie das Funktionieren unserer Gesellschaft absichern. Strom, Wasser, Verkehr, Gesundheit und Kommunikation – all diese Sektoren sind von stabilen und sicheren Anlagen abhängig. In der Sicherheitsdiskussion liegt der Fokus meist auf Cyberangriffen oder physischen Angriffen von außen. Doch eine Gefahr wird oft unterschätzt: Insiderbedrohungen.

Mitarbeitende, Dienstleister oder externe Fachkräfte können – mitunter ungewollt, manchmal aber auch absichtlich – massiven Schaden anrichten. Gerade weil sie legitimen Zugang haben, fällt es oft schwer, verdächtige Aktivitäten rechtzeitig zu erkennen.

Was versteht man unter einer Insiderbedrohung?

Der Begriff beschreibt jede Handlung, bei der eine Person mit berechtigten Zugriffsrechten Schäden verursacht oder sensible Informationen missbraucht. Diese Handlungen können vorsätzlich erfolgen, beispielsweise in Form von Sabotage oder Datendiebstahl, oder unbeabsichtigt durch Fehler, mangelnde Schulung oder Fahrlässigkeit.

Insider sind besonders kritisch, da sie die Sicherheitsmechanismen bereits kennen und oft genau wissen, wie Systeme funktionieren. Sie wissen, wo Schwachstellen liegen, wo Notfallprozesse starten und wie technische Schutzmaßnahmen aufgebaut sind. Damit haben sie einen erheblichen Vorteil gegenüber externen Angreifern.

Warum sind Insider für KRITIS-Betreiber so gefährlich?

KRITIS-Anlagen basieren auf Vertrauen. Viele Prozesse sind so organisiert, dass Mitarbeitende schnell und eigenverantwortlich handeln können. Das ist in Notfällen lebenswichtig, eröffnet aber gleichzeitig Möglichkeiten für Missbrauch.

Gerade im Bereich der kritischen Infrastruktur sind Anlagen häufig sehr komplex. Durch Outsourcing, Wartungsfirmen und Zeitarbeit entstehen zusätzliche Schnittstellen, über die Personen Zugriff auf sicherheitsrelevante Systeme erhalten. Hier lauert die Gefahr, dass ein unzufriedener Mitarbeiter, ein bestochener Dienstleister oder ein externer Angestellter sensible Daten manipuliert oder absichtlich Schäden verursacht.

Außerdem können unabsichtliche Fehler von Insidern gravierende Folgen haben. So kann etwa ein versehentlich gelöschtes Backup, eine unachtsam geöffnete Phishing-Mail oder eine falsch konfigurierte Firewall eine ganze Versorgungseinheit gefährden.

Beispiele für Insiderbedrohungen in der Praxis

In den letzten Jahren gab es weltweit zahlreiche Fälle, die zeigen, wie real diese Gefahr ist. In den USA versuchte beispielsweise ein Mitarbeiter eines Wasserversorgers, Chemikalien absichtlich zu überdosieren. Nur durch ein mehrstufiges Kontrollsystem konnte die Manipulation rechtzeitig erkannt werden.

In Deutschland wurde mehrfach darüber berichtet, dass ehemalige Mitarbeitende noch über gültige Zugänge verfügten und dadurch ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellten. Auch in der Energiewirtschaft kommt es immer wieder vor, dass gestohlene oder missbräuchlich weiterverwendete Zugangsdaten ehemaliger Mitarbeitender Angriffe erleichtern.

Wie können Betreiber Insiderbedrohungen vorbeugen?

Die gute Nachricht ist, dass Betreiber sehr viel tun können, um Insiderbedrohungen zu reduzieren. Der Schlüssel liegt in einem durchdachten Zusammenspiel aus Technik, Organisation und Kultur.

Zunächst sollten alle Zugriffsrechte regelmäßig überprüft werden. Wer hat Zugriff auf welche Systeme? Gibt es Altzugänge, die nicht mehr benötigt werden? Ein systematisches Berechtigungsmanagement ist hier Pflicht.

Darüber hinaus helfen technische Maßnahmen wie Protokollierung und Monitoring dabei, verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen. Dabei sollten Alarme nicht nur auf externe Angriffe, sondern auch auf interne Auffälligkeiten reagieren, etwa auf ungewöhnliche Login-Zeiten oder untypische Datenzugriffe.

Schulungen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Mitarbeitende müssen verstehen, wie wichtig IT- und physische Sicherheit sind. Wenn alle Beteiligten sensibilisiert sind, lassen sich auch unbeabsichtigte Fehler vermeiden.

Wichtig ist auch eine gute Unternehmenskultur. Wer sich wertgeschätzt fühlt, hat weniger Motivation, dem eigenen Arbeitgeber zu schaden. Ein faires und transparentes Miteinander reduziert Sabotagerisiken erheblich.

Rechtliche Grundlagen und Pflichten

KRITIS-Betreiber unterliegen in Deutschland dem IT-Sicherheitsgesetz sowie weiteren branchenspezifischen Vorgaben. Diese verpflichten sie unter anderem dazu, ein angemessenes Risikomanagement und Sicherheitskonzept umzusetzen. Auch Schutzmaßnahmen gegen Insiderbedrohungen gehören ausdrücklich dazu.

Die Sicherheitsbehörden empfehlen regelmäßige Audits, bei denen Zugriffsrechte, Notfallpläne und organisatorische Prozesse geprüft werden. Die Meldepflicht bei IT-Sicherheitsvorfällen ist besonders wichtig, da so Schwachstellen bekannt werden und Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Fazit: Die unterschätzte Gefahr ernst nehmen

Insiderbedrohungen zählen zu den gefährlichsten Risiken in kritischen Infrastrukturen, da sie direkt innerhalb der Schutzmauern entstehen. Betreiber sollten diese Bedrohung nicht länger vernachlässigen, sondern technische, organisatorische und menschliche Schutzmaßnahmen aufeinander abstimmen.

Nur so lässt sich gewährleisten, dass wichtige Versorgungsleistungen auch bei internen Problemen sicher und stabil bleiben. Wer Insiderbedrohungen ernst nimmt und gezielt Präventionskonzepte etabliert, unternimmt einen wichtigen Schritt in Richtung mehr Resilienz und Sicherheit in kritischen Infrastrukturen.

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