Cybersecurity Skills Gap: Die unsichtbare Gefahr für KRITIS-Betreiber

kritis-info.de | 📅 28.08.2025 | 🔗 Cybersecurity & Bedrohungen

Kritische Infrastrukturen stehen ständig unter Druck, ihre Systeme gegen Cyberangriffe zu schützen. Doch selbst modernste Technologien helfen wenig, wenn es an qualifizierten Fachkräften mangelt. Der globale „Cybersecurity Skills Gap“ betrifft auch Deutschland und stellt Betreiber vor enorme Herausforderungen. Erfahren Sie, warum der Personalmangel zur ernsthaften Bedrohung wird und welche Maßnahmen jetzt entscheidend sind.

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Cybersecurity Skills Gap – eine unterschätzte Bedrohung für kritische Infrastrukturen

Kritische Infrastrukturen bilden das Rückgrat unserer modernen Gesellschaft. Energieversorgung, Wasserversorgung, Verkehrssysteme, Gesundheitswesen und Finanzmärkte sind darauf angewiesen, dass ihre digitalen Systeme stabil, sicher und jederzeit funktionsfähig sind. Doch diese Sicherheit hängt nicht allein von moderner Technologie ab. Sie steht und fällt mit den Menschen, die diese Systeme planen, warten und im Ernstfall verteidigen. Genau hier zeigt sich ein wachsendes Problem: der Fachkräftemangel in der Cybersicherheit, auch „Cybersecurity Skills Gap“ genannt.

Während Cyberangriffe in Häufigkeit und Komplexität zunehmen, wird die Lücke zwischen dem Bedarf an Sicherheitsexperten und der tatsächlichen Verfügbarkeit immer größer. Für Betreiber kritischer Infrastrukturen bedeutet das: Selbst die beste Sicherheitsarchitektur bleibt anfällig, wenn niemand da ist, um sie zu überwachen und zu optimieren.

Der Fachkräftemangel in der Cybersicherheit ist ein globales Problem mit lokalen Folgen

Internationale Studien schätzen, dass weltweit mehrere Millionen Stellen im Bereich Cybersicherheit unbesetzt sind. Auch in Deutschland ist der Engpass deutlich spürbar. Laut aktuellen Branchenreports fehlen zehntausende Spezialisten, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Betreiber von KRITIS-Anlagen stehen dabei in einem besonders harten Wettbewerb um Talente, da auch andere Branchen wie Banken, Industrie und IT-Dienstleister um dieselben Fachkräfte buhlen.

Der Fachkräftemangel führt nicht nur zu offenen Stellen, sondern auch zu einer Überlastung der vorhandenen Teams. Übermüdete Sicherheitsexperten machen eher Fehler, die Angreifer ausnutzen können. Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Anforderungen, beispielsweise aus der NIS2-Richtlinie oder dem kommenden KRITIS-Dachgesetz, den Druck auf die Betreiber zusätzlich erhöhen.

Die gesetzlichen Anforderungen verschärfen den Handlungsdruck

Mit der Umsetzung von NIS2 und dem geplanten KRITIS-Dachgesetz nehmen die regulatorischen Pflichten für Betreiber deutlich zu. Sie müssen nicht nur technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, sondern diese auch regelmäßig überprüfen, dokumentieren und nachweisen.

Ohne ausreichend qualifiziertes Personal wird es schwierig, diese Vorgaben fristgerecht und wirksam umzusetzen. Dies ist besonders kritisch in Branchen, in denen der Betrieb rund um die Uhr gewährleistet sein muss. Sicherheitsvorfälle müssen sofort erkannt, bewertet und gemeldet werden, da Verzögerungen nicht nur gravierende Ausfälle, sondern auch hohe Bußgelder nach sich ziehen können.

Die Risiken für KRITIS-Betreiber

Ein anhaltender Fachkräftemangel kann für sie mehrere Gefahren mit sich bringen. Die Abwehrfähigkeit gegenüber Cyberangriffen sinkt, Sicherheitslücken bleiben länger unentdeckt und notwendige Investitionen in Sicherheitsprojekte verzögern sich. Darüber hinaus kann die fehlende Expertise dazu führen, dass komplexe Systeme nicht optimal konfiguriert werden oder wichtige Updates zu spät eingespielt werden.

Für Angreifer ist diese Situation eine Einladung. Sie wissen, dass überlastete Teams weniger Zeit für proaktive Sicherheitsmaßnahmen haben. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Angriffe – von gezielten Ransomware-Einsätzen bis hin zu staatlich gesteuerten Spionagekampagnen.

Mögliche Lösungswege – Strategien gegen den Skills Gap

Auch wenn der Fachkräftemangel nicht von heute auf morgen verschwinden wird, gibt es Ansätze, um seine Auswirkungen abzumildern. Betreiber kritischer Infrastrukturen setzen zunehmend auf eine Mischung aus interner Personalentwicklung, Kooperationen mit spezialisierten Dienstleistern und dem Einsatz moderner Technologien wie künstlicher Intelligenz zur Unterstützung der IT-Sicherheit.

Langfristig können Schulungsprogramme für bestehendes Personal, duale Studiengänge mit Schwerpunkt IT-Sicherheit und gezielte Nachwuchsförderung helfen, den Talentpool zu vergrößern. Kurzfristig bietet die Zusammenarbeit mit externen Security Operations Centern (SOC) oder Managed Security Service Providern (MSSP) die Möglichkeit, kritische Sicherheitsaufgaben auszulagern, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben.

Fazit: Handeln, bevor es zu spät ist

Der Cybersecurity Skills Gap ist keine vorübergehende Erscheinung, sondern eine strukturelle Herausforderung, der sich KRITIS-Betreiber stellen müssen. Wer jetzt in Personal, Ausbildung und unterstützende Technologien investiert, kann die Resilienz seiner Systeme stärken und die gesetzlichen Vorgaben nicht nur erfüllen, sondern im Idealfall übertreffen.

Eines ist sicher: In einer Welt, in der Cyberangriffe immer raffinierter werden, ist die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern eine Überlebensfrage.

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Erfahren Sie auch, welche neuen Herausforderungen sich für Betreiber durch aktuelle Gesetze wie die NIS2-Richtlinie und das KRITIS-Dachgesetz ergeben – und welche technischen und organisatorischen Maßnahmen jetzt Priorität haben.

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