Jahresrückblick 2024: Die größten Bedrohungen für kritische Infrastrukturen

kritis-info.de | 📅 03.07.2025 | 🔗 Aktuelles & News

Ob Cyberangriffe, Naturkatastrophen oder gezielte Sabotageakte: Das Jahr 2024 hat gezeigt, wie verletzlich kritische Infrastrukturen sind. In unserem Rückblick erfährst du, welche Gefahren die größten Auswirkungen hatten und welche Lehren Betreiber und Behörden daraus ziehen sollten.

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Jahresrückblick 2024: Die größten Bedrohungen für kritische Infrastrukturen

Kritische Infrastrukturen sind das Rückgrat einer modernen Gesellschaft. Sie sichern die Energie- und Wasserversorgung, den Verkehr, die Kommunikation und nicht zuletzt die Gesundheitsversorgung. Das Jahr 2024 hat jedoch eindrucksvoll gezeigt, wie verwundbar diese Systeme sein können. Die Bedrohungslage war so komplex wie nie zuvor: Von gezielten Cyberangriffen über Naturkatastrophen bis hin zu geopolitischen Spannungen war alles dabei. Dieser Jahresrückblick fasst die größten Gefahren für kritische Infrastrukturen im Jahr 2024 zusammen und bietet Betreibern, Behörden und Interessierten damit wertvolle Einblicke.

Cyberangriffe auf Versorger und öffentliche Einrichtungen

Auch 2024 stellten Cyberangriffe die gravierendste Bedrohung für kritische Infrastrukturen dar. Besonders im Fokus standen Energieversorger, Wasserwerke und Einrichtungen des Gesundheitswesens. Zahlreiche Attacken mit Ransomware legten zeitweise ganze Betriebsabläufe lahm. Die Angreifer nutzten oft bekannte Sicherheitslücken, die nicht oder zu spät geschlossen worden waren.

Die Auswirkungen reichten von kurzfristigen Versorgungsausfällen bis hin zu empfindlichen Störungen bei der Steuerung kritischer Systeme. Insbesondere kleinere und mittelständische Betreiber kritischer Infrastrukturen konnten aufgrund begrenzter Ressourcen häufig nicht angemessen reagieren. In diesem Bereich besteht nach wie vor dringender Handlungsbedarf in puncto IT-Sicherheit und Resilienz.

Naturkatastrophen und Extremwetter als Risiko

Neben der digitalen Bedrohungslage stellen auch Naturereignisse eine erhebliche Gefahr dar. So führten im Sommer 2024 mehrere Starkregenereignisse und Überschwemmungen zu Schäden an Energie- und Wasserversorgungsanlagen. Auch der Schienen- und Straßenverkehr war in einigen Regionen massiv beeinträchtigt.

In Zeiten des Klimawandels werden diese Wetterextreme zunehmend häufiger und intensiver auftreten. Kritische Infrastrukturen müssen daher künftig noch besser gegen Hochwasser, Stürme und Hitzeperioden geschützt werden. Insbesondere bei Transformatoren, Pumpwerken und Schaltanlagen besteht Bedarf an zusätzlichen Schutzmaßnahmen und redundanten Systemen, um die Versorgung im Ernstfall sicherzustellen.

Geopolitische Spannungen und hybride Bedrohungen

Das Jahr 2024 war auch geopolitisch von Instabilität geprägt. Internationale Konflikte wirkten sich indirekt auf kritische Infrastrukturen in Deutschland aus. So kam es beispielsweise zu gezielten Desinformationskampagnen, die das Vertrauen in die Versorgungssicherheit schwächen sollten.

Auch hybride Angriffe, also die Kombination aus Cyberattacken und physischen Sabotageakten, wurden vermehrt registriert. Diese neue Qualität von Angriffen macht es erforderlich, dass Betreiber nicht nur ihre IT-Systeme absichern, sondern auch die physischen Schutzmaßnahmen an Gebäuden und Anlagen kontinuierlich überprüfen und verstärken.

Angriffe auf Lieferketten

Ein weiteres wichtiges Thema im Jahr 2024 waren Angriffe auf die Lieferketten kritischer Infrastrukturen. Viele Betreiber sind heute auf externe IT-Dienstleister, Softwareanbieter oder Zulieferer angewiesen. Angreifer nutzen diese Abhängigkeiten gezielt aus, indem sie Drittanbieter kompromittieren, um so Zugang zu den eigentlichen Infrastrukturen zu erlangen.

Solche Supply-Chain-Angriffe sind besonders schwer zu erkennen und abzuwehren, da sie oft tief in die internen Betriebsprozesse eingreifen. Auch in diesem Bereich wird in Zukunft noch mehr Kooperation und Transparenz zwischen Betreibern, Zulieferern und Behörden benötigt, um Bedrohungen frühzeitig abzuwehren.

Der Mangel an Fachkräften verschärft die Lage

Eine oft unterschätzte Bedrohung für die Resilienz kritischer Infrastrukturen ist der Mangel an qualifiziertem Personal. Im Jahr 2024 wurde erneut deutlich, dass viele Betreiber Schwierigkeiten haben, offene Stellen im Bereich IT-Sicherheit, Notfallmanagement oder Betriebstechnik ausreichend zu besetzen.

Dieser Mangel an Fachkräften wirkt sich direkt auf die Sicherheitslage aus, da Präventionsmaßnahmen, Wartungsarbeiten und Notfallpläne nicht konsequent umgesetzt werden können. Bund, Länder und Betreiber sollten hier gemeinsam Strategien entwickeln, um Personal zu gewinnen, auszubilden und langfristig zu halten.

Lehren aus dem Jahr 2024

Das Jahr 2024 hat einmal mehr deutlich gemacht, dass kritische Infrastrukturen vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt sind. Betreiber müssen sich gegen digitale und physische Risiken wappnen, ihre Lieferketten absichern und die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigen.

Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Behörden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen kann dabei helfen, zukunftssichere Schutzkonzepte zu entwickeln. Wichtig ist auch, dass kleinere Betreiber gezielt unterstützt werden, damit sie nicht zum schwächsten Glied in der Versorgungssicherheit werden.

Ausblick auf 2025

Für das kommende Jahr ist davon auszugehen, dass die Bedrohungslage auf dem aktuellen Niveau bestehen bleibt oder sogar zunimmt. Insbesondere im Bereich der Cyberangriffe sind neue Angriffsmethoden denkbar, die Künstliche Intelligenz oder automatisierte Schadsoftware nutzen.

Darüber hinaus könnten geopolitische Spannungen weiter zunehmen und hybride Angriffe begünstigen. Betreiber sollten ihre Notfall- und Krisenpläne daher kontinuierlich aktualisieren und regelmäßig testen, um auch im Extremfall handlungsfähig zu bleiben.

Fazit

Kritische Infrastrukturen bleiben ein bevorzugtes Ziel für Angriffe und Störungen. Nur durch eine kontinuierliche Verbesserung der Resilienz, der IT-Sicherheit und der organisatorischen Abläufe können Betreiber diesen Herausforderungen nachhaltig begegnen.

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